Hardware
24.05.2014

Microsoft Surface 2 Review / Test: Nettes Business-Tablet

Die Verkaufszahlen des ersten Surface Tablets waren erschreckend gering. Mit dem Surface 2 hat das Unternehmen nun den Nachfolger des Business Tablets am Markt, das mit Windows RT 8.1 ausgeliefert wird. Was für einen Eindruck es hinterlassen hat, möchten wir euch in diesem Test verraten.

Während der letzten Wochen ist mir aufgefallen, dass ich das Microsoft Surface 2 Tablet (zur Produktseite) mittlerweile öfter im Einsatz habe, als mein bisheriges Acer Timeline Notebook. Als ein Tablet, welches den Einsatz des Laptops und Tablets vereinen soll, macht sich das Surface 2 von Microsoft auf alle Fälle schon mal sehr gut und erfüllt gänzlich meine Erwartungen. Dabei hat es viele Vorteile, wie beispielsweise eine gute Leistung, eine hohe Akkulaufzeit und auch das solide sowie stylische Design. Jedoch muss man auch bei ein paar Punkten (wie sollte es auch anders sein) Abstriche machen.

Microsoft Surface 2

Außerhalb des Büros siegt das Surface 2 jedoch in jeder denkbaren Situation. Surfen im Web ist ein Kinderspiel: Der Internet Explorer sitzt direkt in der Mitte des Windows 8 Startbildschirms und lädt nahezu sofort. Durchs Web surfen gelingt schnell und auch die Reaktionszeit ist kaum bemerkbar. Der verhasste Browser ist vielen sicherlich ein Dorn im Auge, aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht und Micosoft holte mit den vergangenen Updates immer mehr und mehr Rückstand auf. Und das sage ich. Ich, als jahrelanger Firefox- und Chrome-Nutzer, der dem IE unter anderen Umständen nicht mal einen Blick würdigen würde!

Technische Daten

ProduktnameMicrosoft Surface 2
Abmessungen275 mm x 173 mm x 8,9 mm
Gewicht676 g
AnzeigeBildschirm: 10,6-Zoll-ClearType-Full-HD
Auflösung: 1920 x 1080
Seitenverhältnis: 16:9 (Breitbildformat)
Toucheingabe: 5-Punkt-Multitouch
AkkulaufzeitBis zu 10 Stunden Videowiedergabe
7 bis 15 Tage im Ruhezustand
Ladedauer mit mitgeliefertem Netzteil: 2 bis 4 Stunden
Speicher/RAM32 GB oder 64 GB Speicher mit 2 GB RAM
ProzessorNVIDIA Tegra 4
NetzwerkWiFi (802.11 a/b/g/n)
Bluetooth® 4.0-Technologie
AnschlüsseFull-Size USB 3.0
microSD™-Kartenleser
Headset-Buchse
HD-Videoausgang
Cover-Anschluss
SoftwareWindows RT 8.1, Microsoft Office 2013 RT
Kameras, Video und AudioZwei Videokameras – vorne und hinten:
Rückwärtige 5-Megapixel-Kamera
3,5-Megapixel-Frontkamera
Zwei Mikrofone
ereolautsprecher mit Dolby®-Audioausgabe und virtuellem Surroundsound
SensorenUmgebungslichtsensor
Beschleunigungssensor
Gyroskop
Magnetometer
Näherungssensor
LieferumfangSurface 2
24-W-Netzteil
Schnellstarthandbuch
Sicherheitshinweise und Garantiedokumente

surface2-02

Ein Blick auf die Leistung

Videos sehen auf dem Microsoft Surface 2 natürlich frisch und lebendig aus, was nicht zuletzt dem gestochen scharfen 10,6 Zoll großen Full HD Display (1920×1080 Pixel) zu verdanken ist. Die Klarheit des Bildschirms macht das Tablet ebenso zu einer anständigen Wahl, um ausführliche Dokumente zu lesen – obwohl ich für Bücher eher das matte Display eines E-Book Readers vorziehen würde. In Sachen Sound und Stereo-Qualitäten ist natürlich auch bei dem Microsoft Surface 2 nicht allzuviel zu erwarten. Dennoch klingen sie durchaus aktzeptabel und können auch etwas lauter gestellt werden, ohne direkt störende Verzerrgeräusche zu entwickeln.

Die Leistung ist generell sehr gut. Die Zusammenstellung von einem 1,7 GHz Quad-Core auf ARM-basierten Nvidia Tegra 4 Prozessor, 2 GB Arbeitsspeicher und Flash-Speicherplatz erlaubt es, zwischen mehreren Apps zu wechseln und ebenso zwischen dem Startmenü und dem Desktop, ohne dass das System langsamer wird. Das kann man auch gut anhand des Sunspiders Javascript Benchmarks sehen, der eine deutliche Leistungssteigerung zum ersten Surface Tablet bietet. Hier drüber liegen natürlich noch die Pro-Modelle der Surface Tablets.

Microsoft Surface 2

Das Surface 2 ist demnach deutlich schneller geworden, man hätte aber auch ein wenig mehr an der Akkulaufzeit arbeiten können. Ich konnte rund neun Stunden damit arbeiten (einen Mischung aus Textbearbeitung und Surfen im Web), bevor der Akku leer war. Das wäre lang genug, um den Weg zur Arbeit und einen Tag im Büro damit zu bewerkstelligen. Das hat sich auch bestätigt, nachdem wir die Akkulaufzeit geschätzt hatten, indem wir die Leistung des Systems (voll geladen) verschiedenen Situationen ausgesetzt hatten und dann die Wattzahl des Akkus durch die daraus resultierende Wattzahl dividiert hatten. Unsere Schätzungen rangierten zwischen 16,4 Stunden (Leerlauf bei einer 25% Helligkeit) und 2,6 Stunden (anspruchsvoll geladen bei 100% Helligkeit). Das ergibt einen Mittelwert von 9,5 Stunden.

Wo Laptop auf Tablet trifft

Ich hatte mich nie an ein Windows 8 Gerät gesetzt und da mir das Benutzerinterface schon nicht besonders gefallen hat, stellte ich mich darauf ein, nicht besonders beeindruckt von dem Ganzen zu sein. Doch ich hatte mich getäuscht. Ich fand mich mit dem (auf Kacheln basierenden Windows 8) Startmenü gut zurecht. Das Gerät reagierte schnell auf meine Berührungen und somit konnte ich auch gut zwischen den Anwendungen und dem Startmenü wechseln.

Microsoft Surface 2

Kaum überrascht hat mich, dass die Touch-Bedienung weniger effektiv ist. Das wäre kein Problem, wenn die Nutzung des Desktops optional wäre. Leider ist es das natürlich nicht, wenn man mit der Arbeit wirklich produktiv voran kommen möchte. Der Desktop beheimatet ja auch das Microsoft Office (2013 RT). Nachdem ich nun also Office auf dem Desktop für eine längere Zeit nur mit der Bildschirmtastatur und dem Touch genutzt hatte, fand ich das Tippen umständlich und die Menünavigation knifflig, besonders wenn ich die kleinen Icons anklicken wollte.

Desktop Anwendungen lassen sich mit dem Type Cover besser verwenden. Das Gute ist: Es stellt eine super schlanke Tastatur dar, die ebenso als Schutzhülle für den Bildschirm dient. Mit einem Type Cover zu schreiben ist natürlich nicht so leicht oder komfortabel wie mit einer Desktop Tastatur, aber es ist gut genug, sodass man nach einiger Zeit den Unterschied gar nicht mehr bemerkt. Das im Cover integrierte Touchpad reagiert nicht so schnell wie ich es mir wünschen würde, aber für die Nutzung der Windows Store Anwendungen genügt es.

Schade, dass das Cover nicht gleich automatisch beim Surface 2 dabei ist. Schließlich kostet das Gerät selbst schon um die 400 Euro. Die Tastatur kostet dann noch mal zusätzliche 120 Euro. Hingegen das schlankere, drucksensitive Touch Cover 2 nur 100 Euro, was immer noch eine ganze Latte ist. Das günstigste Cover, das man verwenden könnte, ist das nicht hintergrundbeleuchtete Touch Cover aus der ersten Generation, das rund 70 Euro kostet. Da das Office bei der Nutzung des Surface einen wesentlichen Bestandteil ausmacht, sollte Microsoft mal darüber nachdenken, das Touch oder das Type Cover gleich mit dem Surface auszuliefern, wenn sie das Surface 2 zu einem wirklich brauchbaren Arbeitsgerät machen wollen. Denn ein offizieller Nachfolger ist noch nicht angekündigt, lediglich die Pro Variante als Surface 3 lies von sich reden machen. Auf Dauer jedoch könnte der Bedarf nach einer physischen Tastatur sinken, wenn Microsoft die Office Suite dieses Jahr im Windows Store herausbringt.

Microsoft Surface 2 Tablet

Robust und schön

Das Surface 2 ist ein stabiles Gerät, dessen Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung besteht und robust genug zu sein scheint, um die alltäglichen Stöße auf dem Arbeitsweg auszuhalten. Zudem kommt Gorilla Glas zum Einsatz, welches durch das Type Cover zusätzlich geschützt wird und alles sehr stabil wirken lässt.

Der Rahmen des Surface 2 ist sehr strapazierfähig, das Aussehen leidet aber nicht darunter. Es ist ein attraktives Stück Hardware, das die unansehnlichen Ports und Buttons seitlich an den abgeschrägten Kanten des trapezförmigen Gehäuses versteckt. Während das Surface 2 leicht und dünn genug ist, um es für eine kurze Zeit zu halten. Schwieriger wird es dann schon, wenn man einen ganzen Film schauen möchte. Hier kommt dann glücklicherweise der Ständer zum Einsatz, den man in zweierlei Winkeln positionieren kann und das kommt dem Blickwinkel eines Laptops dann schon recht nahe.

Microsoft Surface 2

Ports sind beschränkt auf einen USB 3.0 Anschluss, einem HD Video-Out, einem Kopfhöreranschluss, einem MicroSD Card Reader und einem Port für einen magnetischen Stromanschluss, der sich sehr einfach anheften lässt.

Apps: Frustration oder Minimalismus?

Das Hauptproblem, das ich mit dem Surface 2 hatte, war die Wahl der Apps, die man im Store kaufen kann. Auf dem Surface 2 läuft Windows RT 8.1, eine Version von Windows 8, die für auf ARM-basierenden Prozessoren gemacht wurde. Veraltete Windows Software wird daher nicht auf dem Gerät laufen und die einzigen Anwendungen, die man installieren kann (außer den wenigen die man nicht aus dem Windows Store hat), sind aus eben diesem Store. Einem App Store, der nicht unbedingt leer ist, aber der zu oft nur mager abgeänderte Programmversionen aus anderen Plattformen anbietet.

Surface 2

Nehmen wir zum Beispiel den Cloud-Service Dropbox. Auf jedem anderen Windows und Linux Gerät, das ich nutze, erstellt die Dropbox-Anwendung einen Desktop Ordner, der sichtbar für Applikationen ist, um Dokumente öffnen und speichern zu können. Die Windows Store Version der Dropbox ist bei weitem nicht so integriert in das System. Dateien müssen über die Dropbox App manuell hoch- und heruntergeladen werden.

Es ist nicht unbedingt so, dass es dem Tablet an Funktionalität fehlt. Das Startmenü beinhaltet bereits einen Video- und Audioplayer. Skype, wie auch Nachrichten, das Wetter, Fotos, Sport und Finanzapps. Jedoch hatte es nicht die Apps, die ich wollte! Es gibt einen Xbox Video- und Audioplayer statt dem VLC, SkyDrive (nun OneDrive) statt der Dropbox oder gar Spotlite statt Spotify. Die Qualität dieser Alternative variiert, aber das Surface 2 ist im Nachteil, wenn es versucht mit anderen Plattformen zu konkurrieren, die bereits viele von diesen Apps haben. Der Windows Store ist verglichen zu den anderen Stores von Android und iOS ein Newcomer, sodass sich die Bandbreite an Apps noch verbessern wird, solange die Entwickler eine geeignete größere Basis an Benutzern sehen.

Surface Tablet

Nichts alles so toll

Es ist sicher nicht gewiss, ob die Basis an Nutzern noch steigen wird, da die Windows RT Plattform bereits eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Letztes Jahr musste Microsoft bereits 900 Millionen Dollar für die Surface RT Geräte abschreiben. Als Ergebnis dessen, dass sie auf Millionen von unverkauften Geräten sitzengeblieben sind. Seitdem gab es laufend  Angebote, um diesen Überschuss wieder auszugleichen. Und während manche der Microsoft Hardware Partner zunächst RT Geräte angeboten haben, blieben jetzt nur noch Microsoft und Nokia (die bald ein Teil von Microsoft sein werden) über. Jedoch trieb die Veröffentlichung von Surface 2 und Surface 2 Pro den Verkauf von Surface Geräten voran und generierte einen Ertrag durch Surface Tablets, der von 400 auf 893 Millionen Dollar im 2. Quartal 2014 stieg.

Und während das Surface 2 (und sein stärkerer Core i5 basierender Bruder, das Surface Pro 2) viele der früheren Kritiken über das Gerät auf sich zieht, wird es mit einem harten Kampf gegen die Android- und iOS-Geräte haben.

Surface 2

Ein anderes Ärgernis waren die technischen Probleme, mit denen ich zu kämpfen hatte. Nachdem ich bereits eine Zeit durchs Web gesurft bin, gab es Momente, wo der Touchscreen kaum auf einen Tastendruck reagiert hat. Zumindest so lange, bis die Seite neu geladen wurde. YouTube hatte ein ähnliches Problem. Einmal neu laden hat geholfen. Der Fehler, der mich am meisten genervt hat, war der Versuch, den Windows Store zu laden. In mehreren Versuchen hat es mich einfach wieder zum Startmenü geworfen und das nachdem es erst 30 Sekunden gedauert hat, ihn zu laden. Nicht ideal, wenn der Store die erste Anlaufstelle für Software ist. Hier scheint Microsoft auf Software-ebene auf jeden Fall noch Arbeit vor sich zu haben.

Fazit zum Microsoft Surface 2

Award 84Das Surface 2 ist ein gutes Tablet, das man unterwegs besser nutzen kann, als einen gleich teuren Laptop. Zudem verbindet es das Office und das private Vergnügen im Freien optimal. Natürlich muss man erwähnen, dass sich Manche einfach nicht mit Windows 8 anfreunden können und wollen. Wichtiger wäre es daher, das (während wir auf eine Touch-optimierte Version von Office warten), Microsoft eine Tastatur in den Lieferumfang beilegt.

Es ist daher fast nur der Windows Store, mit seiner glanzlosen Auswahl an Apps, die gegen eine deutliche Empfehlung sprechen. Daher möchte ich an dieser Stelle zwei Empfehlungen nennen: Das Google Nexus 10 und das iPad Air, beide ebenfalls 10 Zoll Tablets.

Wertung

  • Stabiles und schönes Design
  • Hervorragende Bildschirmqualität
  • Eine anständige Leistung und Akkulaufzeit
  • Gut für die Arbeit und Unterwegs

  • Man muss eine Tastatur kaufen, um Office komfortabel nutzen zu können
  • Nachholbedarf im Microsoft Store


Verarbeitung89

Leistung80

Preis82

Gesamtwertung
84/100



Über Michael
Artikel, Tests und die Kommunikation sind Aufgabenbereiche von Michael. Zudem ist sein Part das äußerliche Erscheinungsbild und die Vermarktung der Plattform.

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