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14.03.2014

Thief im Test (PC): Klasse oder Masse in der dunklen Gasse?

Thief im Test (PC): Eigentlich stellt sich in fast jedem Schleichspiel die Frage, wie man am geschicktesten an der Wache vorbei kommt und ob man sie am Leben lässt oder lieber das Lichtlein auslöscht. Thief ist eines dieser Spiele und setzt das Licht und Schattenspiel der fortschrittlichen Grafikengine gekonnt ein. Natürlich gibt es auch mehrere Möglichkeiten wie man an den Gegnern vorbeikommt oder ob man in gewisse Häuser einbricht, Gegenstände stiehlt oder es eben auch bleiben lässt.


Wie schon der Name des Spiels vermuten lässt, stiehlt unser Hauptprotagonist Garrett alles, was nicht niet und nagelfest ist. Für ihn gibt es einfach kein Halten bei Aschenbechern, Tintenfässern, Füllfederhaltern, Broschen, Münzen, Bronzestatuen… Halt alles, was eben vorzufinden ist und selbst, wenn es polierter Dreck ist. Im Vergleich zu ähnlichen Titeln wird Garrett nicht als Held glorifiziert, sondern wirkt einfach nur wie ein Dieb, der sich gerne Sachen krallt. Ausdrucksweise und Aussehen runden den Eindruck ab. Neben der merkwürdigen Tatsache, dass Garrett auch Fenster aufhebeln muss, um aus Häusern wieder raus zu kommen, trägt er auch unerklärlicher Weise ein Korsett…

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Wer Thief komplett im Stealth durchspielen will, muss geduldig sein und immer auf den richtigen Moment warten, um hinter den unaufmerksamen Wachen in den Schatten zu verschwinden. Es ist aber auch möglich, ein Ziel von hinten auszuschalten, falls man befürchtet entdeckt zu werden. Sollte man dann doch enttarnt werden, artet die Aktion in einen dummen und nervigen Mix aus Attacken, Ausweichen und Kontern aus, den man zu Anfang lieber vermeiden sollte. Gegen einen Gegner kann man sich vielleicht noch wehren aber mehrere Kontrahenten werden durchaus zum Problem, vor allem wenn einer davon eine Armbrust besitzt.

Thief PC -04

Thief: Für Tarnzwecke funktioniert das Spiel von Licht und Schatten perfekt

Aber das ist schon in Ordnung, denn ein gutes Stealth Game bietet jederzeit die Möglichkeit direkte Konfrontationen zu vermeiden und gerade dieser Tarnmodus funktioniert bei Thief bestens. Er ist relativ anspruchsvoll aber bietet die Chance einer Entdeckung auf elegante Weise zu entgehen. Die Umgebung und die perfekte Verwendung von Licht und Schatten als Tarnung, bieten sogar die Möglichkeit den dusseligen Wachen ihre Kohle leicht vom Gürtel zu stibitzen.

Leider ist die künstliche Intelligenz in Thief nicht ganz so toll und die Wachmänner bleiben ab und an auch mal stumpf in den Wänden stecken. Gott sei Dank, bemerken die NPCs aber dennoch ausgeknockte Wachen und aufgebrochene Tresore. Des Weiteren reagieren sie, wie geplant, auf die einfallsreichen Trickpfeile von Garrett.

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Die meisten der Trickpfeile sind extrem eingeschränkt in ihrer Nutzung, so kann man mit Wasserpfeilen nur Flammen löschen oder eben mit dem Rope-Arrow die Seile abfeuern. Wäre die Gestaltung der Level etwas offener, könnte man mehr mit den Tools arbeiten. So kann man die Gimmicks aber nur an den festgelegten Punkten einsetzen, welche das Spielerlebnis recht linear erscheinen lassen.

Gute Ansätze, aber die Steuerung …

… macht das wieder wett! Ein sehr schönes Feature an Thief ist der Sprint, mit dem man circa fünf Meter nach vorne schnellt. Dadurch kommt ein gewisses Ninja-Feeling auf und erhöht den Spaßfaktor des Spiels ungemein. Die Fähigkeit ist extrem praktisch, um schnell mal über beleuchtete Gassen zu huschen, auf denen man eventuell gesehen werden könnte. Oder man kann eben halt mal schnell rückwärts aus der Gefahrenzone springen. Das ist aber auch das Einzige, was richtig gut funktioniert. Die anderen Bewegungsabläufe fühlen sich unnatürlich, hakelig und inkonsequent an.

Beispielsweise sieht etwas manchmal so aus, als wenn man hoch klettern könnte und dann kann man es doch nicht. In anderen Fällen sieht es genau umgekehrt aus und man kann dann doch auf einmal klettern. Muss man nicht verstehen, ist aber so. Was Entwickler Eidos sich dabei gedacht haben mag, ist mir komplett schleierhaft. Dasselbe gilt leider auch für Kanten und Klippen, die man manchmal herunterspringen muss oder auf einmal ganz gemütlich herab spazieren kann. Irgendwann nervt das wirklich und senkt die Motivation gewaltig.

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Heute schon ausgerastet?

Probiert einfach mal die Mini-Map in Thief aus… Der nächste Minuspunkt an Thief ist die Mini-Map. Wer mich länger kennt, weiß das ich ein totaler Orientierungs-Legastheniker bin. Wenn die Karte also unbrauchbar ist, dann bin ich es automatisch auch. Thief hat eine der schlimmsten Mini-Maps, die man sich vorstellen kann und das „Spiel spielen“ wird einfach zum “Im Spiel umherirren, ausrasten und PC ausschalten”. Um von Punkt A nach Punkt B zu kommen, muss man schon einen Kartograf engagieren und stellt in dem Fall eher ein Ratespiel mit Ausschlussverfahren dar. Wenn der Weg nicht geht, dann eben ein anderer. Hier gibt es klare Abzüge in der B-Note.

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Schwache Story und beengendes Leveldesign

Einige der Kampagnen im Spiel folgen der relativ öden, übernatürlich gehaltenen Story und führen den Spieler an schräge Orte, wie ein kunterbuntes Bordell oder eine gruselige Irrenanstalt, doch leider ist das Leveldesign nur allzu oft klaustrophobisch und lässt dem Spieler keine Freiheiten, um sich zu bewegen. Dafür gibt es mitunter einige verzweigte Gänge zum Abklappern und ein paar Rätsel, die man nebenbei lösen kann.

In einigen Szenarios bieten die Nebenmissionen in Thief die Möglichkeit, in extra Räume zu gelangen. Dazu zählen beispielsweise Lüftungsysteme, Kelleranlagen, Häuserdächer oder ähnliches. Nach jeder Mission wird das jeweilige Spielverhalten in einer Übersicht ausführlich bewertet, z.B wie lange man gebraucht hat, wie oft man enttarnt wurde und was man so geklaut hat.

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Power Ups zerstören das Gameplay von Thief

Kommen wir nun zu Garrets Fähigkeiten, die mit dem Fokus vor allem eine nicht zu unterschätzende Unterstützung darstellen. Oft genug, muss man in Thief nämlich in tiefster Dunkelheit mit allerhand Items hantieren, die der Fokus bedeutend besser hervorhebt. Es können auch Fokus Upgrades gekauft werden, die das eigentlich schon recht einfache Schlösserknacken beschleunigen oder auf versteckte Schätze hinweisen.

Hier möchte ich nun mal auf die tollen Kampfaufwertungen aufmerksam machen, die den Spielverlauf leider in negativer Hinsicht ändern. Mit diesen Upgrades kann man nämlich alarmierte Wachen auf einfache Art und Weise hinrichten und das zerstört das Stealth-Gameplay komplett. Wofür schleichen, wenn man doch alles mit Leichtigkeit besiegen kann? Im Tarnmodus dauert zudem noch alles viel länger.

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Lieber in einem höheren Schwierigkeitsgrad spielen

Eventuell sollte man hier noch mal in einen höheren Schwierigkeitsgrad als “Thief” spielen, so wie ich das getan habe. Dies kann aber auch richtig schwer werden, wenn man dann auf Auto-Saves angewiesen ist und Fokus und Fadenkreuz deaktiviert ist. Dadurch kann aber die Spiellänge durchaus variiert werden und weitaus mehr als 15 Spielstunden veranschlagen.

Es kommt da natürlich auch auf die persönliche Spielweise an, vor allem wenn man hauptsächlich unentdeckt die Aufgaben erledigen will. Hier kristallisiert sich dann auch heraus, wie man Thief sehen sollte: Als eine Ansammlung von kleinen Herausforderungen, die möglichst gut bewältigt werden wollen. Zwei dieser Szenarios können sofort gespielt werden, mit Zeitvorgaben und Leaderboards. Eine weitere Karte ist für Thief als DLC verfügbar.

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Thief bietet nur auf dem PC vernünftige Performance

Wer möglichst viele Bilder pro Sekunde dargestellt haben will, kommt um die PC-Version nicht herum, wo man Thief mit 60 FPS spielen kann. Xbox One und PlayStation 4 liegen nur bei 30 Bildern pro Sekunde und brechen öfters in der Performance ein. Die Xbox One Version kommt noch nicht einmal auf 1080p Auflösung sondern ist begrenzt auf 900. Und wo wir gerade dabei sind: So richtig flüssig läuft die Keyboard-Unterstützung nicht, man kann kaum vernünftig durch das Inventar mit der Maus scrollen und die Gegenstands-Auswahl ist sehr hakelig. Als Meisterdieb sollte man ja wenigstens ein bisschen Fingerfertigkeit aufweisen und nicht eine halbe Stunde lang in der Tasche wühlen, um das geeignete Teil zu finden… macht man bei anderen ja auch nicht?

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Fazit zu Thief

Silber Award ThiefDie Grafik und die Atmosphäre von Thief sind toll gemacht. Die Entwickler haben die Stealth Mechaniken sehr gut umgesetzt und es macht richtig Spaß zu klauen. Darüber hinaus nerven jedoch die simplen „Hit or Miss“ Aufgaben und die schwache Story mit den langweiligen Quests. Garrett selber wirkt auch nicht wirklich wie der leichtfüssige Meisterdieb, der er gerne sein würde, sondern wirkt recht eintönig und teilnahmslos. Für Thief gilt im Endeffekt: Am besten man ignoriert die Story und sucht sich die spannensten Missionen heraus.

Wertung

  • Stealth Modus ist genial umgesetzt
  • Einfacher Einstieg
  • Licht und Schattenspiele sehr atmosphärisch
  • Schöne Grafik

  • Schwache Story
  • Krampfige Steuerung mit Maus und Tastatur
  • Mini-Map ist katastrophal


Grafik83

Gameplay76

Preis82

Gesamtwertung
80/100

 

 


Über Patrick
Patrick ist hauptverantwortlich für den redaktionellen Part von RIGGED und sorgt dafür, dass ihr immer auf dem neuesten Stand rund um Technik, Mobile und Games seid. Darüber hinaus betreut und bespaßt er die Social Media Kanäle.

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