Games
28.08.2014

The Crew Preview: Doch nicht so innovativ wie versprochen

Mit dem Start der zweiten Betaphase hatte auch ich die Chance, mir in The Crew einen heißen Schlitten unter den Nagel zu reißen und die langläufigen Straßen unsicher zu machen. Natürlich will ich mich nicht unnötig zurückhalten und halte es für meine persönliche Pflicht, meine Eindrücke aus der Beta mit euch zu teilen. Ab geht’s mit Vollgas auf die Piste.

Eines vorweg: The Crew (zur Webseite) bezeichnet sich selber als Open-World-Game mit RPG-Elementen. Es verfügt zwar über viel schönere Grafik als die meisten Spiele auf dem Markt, aber meiner Ansicht nach ist es schlichtweg ein MMO. Hierbei kann man das Spiel am ehesten mit Need for Speed World vergleichen, welches vor ein paar Jahren erschienen ist. Mixt man dieses mit der Grafik von Need For Speed: Rivals, hat man ein recht gutes Bild von The Crew.

The Crew 1

Rennen fahren und seltene Items einsacken

Nach einem kurzen Intro wird man direkt an das Steuer eines Ford Pickups gesetzt und muss ein schnelles Checkpoint-Rennen fahren. Hier nehmen die Entwickler den Spieler erstmal an die Hand, erklären das Wegpunkt-System und klären offene Fragen, die zum Spielablauf entstehen könnten. Folgt man der Storyline, hat man nach einer Handvoll Rennen sein erstes eigenes Auto und kann sogar schon seine ersten individuellen Tuningparts dranschrauben. Hierbei gibt The Crew einen kleinen Ausblick auf die enorme Menge an Tuningparts und Styles und kommt Need for Speed Undercover recht nahe. Fährt man in the Crew gute Rennen, werden weitere Parts und Styles freigeschaltet, je nach Können scheinbar sogar seltene Gegenstände.

Mit 30 FPS doch etwas träge

Aber bevor ich darauf genauer eingehe, hier noch ein paar allgemeine Informationen zum Spiel: Aufgrund der Tatsache, dass das Spiel scheinbar auf 30 FPS limitiert ist (wir berichteten), wirkt alles sehr träge und dies mindert den Spielspaß massiv. PC-Spieler können diese Limitierung umgehen. Konsolenspieler schauen hier erneut in die Röhre. Zur Fahrphysik gibt es nicht viel zu sagen. Zusammen gefasst ist sie besser als in Watch_Dogs und platziert sich ungefähr auf GTA-Niveau und zwischen den Need for Speed Ablegern. The Crew greift hier auf ein weiteres MMO-Element zurück: Man kann einer Gilde aus vier Leuten beitreten (Crews genannt) und gegen andere Teams spannende Rennen fahren. Aber leider wird hier im Grunde massiv Potenzial verschenkt.

The Crew 8

Statt Teamplay zu belohnen und die Fahrer wichtige Aufgaben erledigen zu lassen, um die Wertung zu steigern, geht es nur um die Platzierungen. Das wird wohl sicherlich schnell langweilig. Abgesehen von den Teamrennen bietet The Crew die Möglichkeit, verschiedene Mini-Rennen zu fahren und dabei Tuningteile mit unterschiedlichen Wertigkeiten freizuschalten. Außerdem gibt es noch lustige Sprungeinlagen, Slaloms und Präzisionsfahren, welches ein gewisses Maß an Konzentration erfordert, wenn man jedes Mal Gold erreichen will.

The Crew hat eine wirklich tolle Grafik

Mit der besonders genialen Grafik hingegen kann das Spiel aber wieder Punkte sammeln. Diese ist nämlich auf dem allerneuesten Stand der Technik und zusammen mit den liebevoll und sehr detailgetreuen Landschaften zu jedem Zeitpunkt eine Augenweide.

The Crew 2

Das gilt auch für die Fahrzeuge, die kaum Wünsche offen lassen. Natürlich werden hier ebenso alle gängigen Licht- und Schatteneffekte eingesetzt, die ein gewisses Maß an Realismus zutage treten lassen. Und nun folgt der wesentliche Punkt, der The Crew von der grauen Masse abhebt: Die Entwickler haben sich extrem Mühe gegeben, die USA detailgetreu im Spiel nachzubilden. Man kann tatsächlich von Detroit nach L.A oder Vegas fahren oder auch mal einen kleinen Halt am Grand Canyon machen. Oder man stürzt sich mit seinem Fahrzeug einfach mal in eine Schlucht, wie ich es getan habe. Spinnt man das Ganze bis zum Ende, so kann man in The Crew sozusagen virtuell bestimmte Städte der USA besuchen.

Einfach mal in den Grand Canyon stürzen

The Crew 3

Alles ist möglich: Man kann ein wenig durch die Mojave Wüste ballern, durch Las Vegas an den Casinos vorbei cruisen oder auch mal runter nach New Mexico fahren, um den Drehort zu Breaking Bad genauer unter die Lupe zu nehmen. Natürlich kann man auch nach L.A fahren, um ein wenig das Driften in den Hollywood Hills zu perfektionieren. Bei mir ging das fatal in die Hose und ich bin mir sicher, dass mich die Kollegen von RIGGED nicht ans Steuer lassen, wenn wir nächstes Jahr auf der E3 unterwegs sind. Von Sehenswürdigkeiten, fast exakten Straßenverläufen bis hin zu einer verblüffend ähnlichen Topografie haben die Entwickler Amerika nachgebildet und sich dabei absoluten Respekt von mir verdient, denn für solch ein Mammutprojekt muss man einen sehr langen Atem haben und viel Zeit und Arbeit investieren.

Zusätzlich bietet The Crew auch recht detaillierte Schadens-Modelle, die zwar keine wesentliche Rolle spielen, dafür aber gut aussehen und den Schaden am Auto gut wiedergeben. Ist das Auto einmal zu stark ramponiert, kann man dies in der Werkstatt für ein paar Bucks reparieren lassen. Auch der Sound kommt nicht zu kurz, so sind die Motorengeräusche glaubwürdig und die Radiosender im Spiel vielfältig. Aber auch The Crew ist nicht perfekt und viele Punkte, die ein grundsolides Online-Racing-Game zu einem überragenden MMO hätten machen können, werden hier einfach ignoriert. Fangen wir mal mit den grundlegenden Features an:

Open World ohne Sinn

Eines noch vorweg: Der Online-Aspekt äußert sich lediglich darin, dass man mit seiner Crew gegen andere Fahrer antreten kann und seine Kontrahenten auch in der freien Wildbahn trifft. Abgesehen davon gibt es wirklich keine bahnbrechenden Neuerungen, die für Langzeitmotivation oder gesteigerten Spielspaß sorgen. Was mir persönlich fehlt, ist ein vernünftiges Chatsystem, welches wenigstens im Ansatz simuliert, dass es sich hier um ein Spiel handelt, wo viele andere Menschen online unterwegs sind. Bis auf die Tatsache, dass man hier ein paar Spieler mal aus Spaß rammen kann und mit seiner Crew chattet, passiert nichts weiter.

The Crew 4

Und so wirkt die Spielwelt am Ende doch ein wenig öde, denn das hat man alles schon Tausend Mal gesehen. Zwar kann man sein Auto tunen, während der Rennen auch ein paar rare Items einsacken und gegen andere fahren, aber mehr gibt es auch nicht. Anstelle der Entwickler hätte ich mich ein wenig mehr auf den MMO-Aspekt konzentriert und beispielsweise ein umfangreiches Housing-Modell in Form einer modularen Werkstatt eingeführt – vielleicht sogar mit einem Sponsorteam bestehend aus echten Spielern. Es hätte spannende (illegalen) Rennen geben können, die man vielleicht sogar selbst entworfen hat, was dann sogar den derzeit beliebten Sandbox-Aspekt begünstigt hätte. Es gibt unzählige weitere Möglichkeiten. Schade, dass es so gekonnt ignoriert wird.

The Crew 7

Im Grunde hat man halt den üblichen Tuningladen, den es in der Form schon seit 2005 oder sogar noch länger gibt – also nichts Besonderes. Neu ist vielleicht die Pinnwand, an der man einen Überblick über Fahrzeug und Tuning hat. Aber darüber hinaus hätte man dem Spieler auch die Chance geben können, sich stärker mit Fahrzeug und Fahrer zu identifizieren. Nicht einmal einen Charaktereditor gibt es, geschweige denn eine Wahlmöglichkeit zwischen vorgefertigten Avataren! Na ja, dann müssen halt die Karren alleine hinreichen und Männlein und Weiblein müssen sich so mit einem einzigen Avatar zufriedengeben, der aussieht wie eine wilde Mischung aus Gordon Freeman und Aidan Quinn. Das ist halt nicht zu ändern. Basta!

Sandbox-Elemente schaden auch Open World Racern nicht …

The Crew 5

Die ist zwar keineswegs wichtig und hat auch nicht mit dem Spiel und seiner Wertung zu tun aber es wäre ja cool gewesen, wenn man in der Open World auch mal spaßeshalber zu Fuß durch die Stadt flanieren könnte. Zugegebenermaßen ergäbe das zwar nicht so viel Sinn, würde die Spieltiefe aber enorm steigern. Gerade bei einem Spiel, wo so viel Wert auf Detailgenauigkeit gelegt wurde, hätte das bestimmt nicht so viel Aufwand ausgemacht. Oder kommen wir noch zu einem viel wichtigeren Punkt, der wiederum in Richtung Sandbox geht: ein Streckenplanungssystem, mit dessen Hilfe man Rennen in der Stadt und ganz Amerika planen könnte, die dann von anderen Spielern für Street Races genutzt würden.

Auch hier ist nichts in der Richtung zu sehen – von einem Ligen-System mal ganz zu schweigen. Ach ja klar, bevor ich es vergesse. Ubisoft weist darauf hin, dass sich The Crew derzeit noch in der Beta befindet und daher nicht alle fertigen Spielinhalte beinhaltet. Doch schon im November soll das Spiel auf dem Markt erscheinen und die Beta wird sich im Vergleich zum Release-Candidate nicht mehr sehr ändern. Auch auf der offiziellen Seite und im Internet lassen sich kaum Infos zu weiteren Features finden.

Meine Meinung zu The Crew

The Crew 6

Mir kommt The Crew wie eine (unkreative) Neuauflage von Need for Speed Undercover 2 vor, wobei hier die Open World von anderen Onlinespielern bevölkert wird und die Grafik wesentlich besser als bei vielen anderen auf dem Markt erhältlichen Racern ist. Leider wird der Open World Aspekt nicht wirklich ausgereizt und nach kurzer Zeit hat auch die tolle Optik ihren Reiz verloren. Ob die Rennen mit oder ohne Crew ablaufen, sie werden schnell eintönig werden. Und wer mit dem arcadeähnlichen Fahrverhalten zufrieden ist, kann genau so gut auf den neuen Teil von GTA für PC und Next-Gen Konsolen warten, der auch genügend Rennelemente bietet.

Rockstar hat es richtig gemacht und seinem Open World RPG einige Rennelemente hinzugefügt. Ubisoft hätte hier nun ebenso handeln und seinem Open World Racer weitere RPG-Elemente spendieren können, um die Spieler länger bei Laune zu halten. Schließlich brüsten sich die Entwickler damit, RPG Elemente zu fördern. Schlussendlich würde ich behaupten, dass man genau so gut Need for Speed: Rivals spielen kann und als Xbox One Besitzer lieber auf Forza Horizon 2 wartet. Hoffen wir mal lieber, dass sich doch noch einiges bei The Crew ändert und Ubisoft seinen Titel gerade in Bezug auf die Langzeitmotivation entsprechend aufwertet. Noch ist es ja nicht zu spät.

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Über Patrick
Patrick ist hauptverantwortlich für den redaktionellen Part von RIGGED und sorgt dafür, dass ihr immer auf dem neuesten Stand rund um Technik, Mobile und Games seid. Darüber hinaus betreut und bespaßt er die Social Media Kanäle.

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De-M-oN
Sonntag, 11.01.2015

Wenn du es weniger arcadelastig haben willst, stells doch so ein. Gibt doch Einstellung dafür. Wenns auf „Alle Fahrhilfen“ steht, isses natürlich ziemlich arcade.

Stefan
Mittwoch, 15.02.2017

Ich sehe da auch ein paar Parallelen zu Need for Speed, finde das aber auch nicht schlimm. Die Grafik gefällt mir sehr! Hinsichtlich deiner Open World Kritik finde ich es wirklich Schade das hier zu wenig interagiert werden kann, mir wäre das für so ein Spiel wirklich wichtig.


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