Games
11.01.2014

Final Fantasy XIV: A Realm Reborn (FFXIV) Test / Review

Wie schnell die letzten Wochen im Flug vergangen sind, ist einfach nur unfassbar. Das erste Mal seit gefühlten Ewigkeiten konnte ich mich noch mal richtig auf ein Spiel einlassen und es auskosten. Ja, Final Fantasy XIV: A Realm Reborn hat mir nahezu meine gesamte Zeit in den letzten Wochen geklaut und mich in seinen Bann gezogen. Eine Tatsache, die ich im Vorfeld kaum für möglich gehalten habe.


Wenn ich auf die letzten Jahre der MMOs zurück blicke, dann waren diese mehr als enttäuschend. Umso schwieriger fand ich es, mich auf Final Fantasy XIV: A Realm Reborn wirklich einzulassen. Meine Erwartungen waren nicht sonderlich hoch und von einem tiefen Einblick aufgrund eines Level 14 Charakters aus der Beta konnte man auch nicht sprechen. Überzeugt wurde ich dann doch und FFXIV: ARR nahm einen Großteil meiner Freizeit in den letzten Wochen in Anspruch.

Der Anfang

Wir begannen zwei Tage nach der offiziellen Veröffentlichung von Final Fantasy. Reichlich spät, um in ein MMO einzusteigen, ist doch der Headstart für jeden Fan heilig: Man muss einfach dabei sein. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, nicht dabei gewesen zu sein, denn selbst über eine Woche nach Release gab es erhebliche Serverprobleme. Ein Titel, der mir noch aus den ganzen Forenthreads im Kopf schwirrt ist “Final Fantasy 1017: A Realm Unavailable” – amüsant. Square Enix hatte in diesem Zeitraum enorme Probleme den Andrang etwas entgegen zu setzen. Es half später nur eine Wartung, die sämtliche Probleme aus der Welt schafften und uns als Gruppe endlich auf den neuen EU Server Lich verbannen sollte, auf dem wir seither verweilen. In Japan spielen ist auch nicht so toll… Oh halt, warte! Die EU Server stehen in Tokyo, Japan – mehr dazu gerne in weiteren Berichten.

Final Fantasy XIV: A Realm Reborn

Charakter-Erstellung

Die Charakter-Erstellung von Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ist wohl die beste und schönste in den letzten Jahren. Ich lasse ArcheAge nun mal außen vor, auch wenn der mir ebenfalls gut gefallen hat, aber da das Spiel derzeit nur in Asien publik ist, zählt das einfach nicht.

Während der Erstellung sieht man sich vieler Optionen entgegen gesetzt: Rassen, Klassen, Startgebiete, Götter, Namenstage, Geschlechter und vieles mehr. Jedes Detail des Charakter kann verändert und an die eigenen Ansprüche angepasst werden. Von der Hautfarbe bis hin zur vernarbten Gesichtsoberfläche ist alles dabei. Selbst bei der Busengröße macht FFXIV: ARR keinen Halt und bietet viele Möglichkeiten zur Individualisierung.

Final Fantasy XIV: Charakter-Erstellung

Was allerdings meinen anfänglichen Spielspaß ein wenig drückte, war die Abhängigkeit der Klasse zum Startgebiet. Hier hätte ich mir eher eine Rassenabhängigkeit gewünscht, alleine nur um vor Level 15 schon mit den geplanten Mitspielern spielen zu können. Im Endeffekt muss ich aber auch sagen, dass es kaum relevant war und man daher sehr gut darüber hinweg sehen kann: Stufe 15 ist in wenigen Stunden erreicht (zweite Charakter oder auch Klasse geht wesentlich zügiger) und man beschränkt sich im Endeffekt ohnehin nur auf FATE- und Dungeon-Aktivitäten.

Gameplay und Kampfsystem

Fans von dem actionorientierten Kampfsystem, wie es TERA oder auch Vindictus bieten, werden in Final Fantasy XIV: A Realm Reborn sicherlich enttäuscht sein. Square Enix setzt bei dem Titel nämlich auf das gewohnte Tab-Targeting oder auch Klick-System. Langweilig ist es aber keineswegs, denn es funktioniert einfach, jeder kommt mit zurecht und in einem MMO gibt es zweitausend andere Gründe, das Spiel zu verlassen beziehungsweise nicht zu spielen.

FFXIV Battle

Was man hier positiv hervorheben muss: Sämtliche Gegner in ganz Eorzea (die Spielwelt) sind mit speziellen Fähigkeiten ausgestattet, sodass man selbst auf gleichem Level in der Regel aufpassen muss. Solche Skills werden in der Regel mit einem roten Bereich gekennzeichnet, damit man die Möglichkeit hat, den Effekten auszuweichen und Einfluss auf die aktuellen Umstände besitzt.

Ebenfalls ein zu erwähnender Pluspunkt ist ein Kettensystem bei den Skills, welches einigen Klassen zur Verfügung steht. So hängt ein Skill von dem anderen ab und verursacht unter dem Umstand, dass Fähigkeit 1 zuerst benutzt wurde, mehr Schaden oder ist mit speziellen Effekten ausgestattet. Ein Einsatz der Skillkette ist jedoch keinesfalls bindend und man hat nach wie vor die Möglichkeit, die Fähigkeit isoliert einzusetzen.

Levelprozess – Grinden oder Questen?

Oftmals beschweren sich Fans von MMOs, dass der Levelprozess eintönig ist oder man einfach zu viele Gegner töten muss. Hier gibt es gute Neuigkeiten: Die Quests in FFXIV: ARR sind zwar nicht sonderlich abwechslungsreich, aber stets schnell erledigt, wodurch immer zügig ein Erfolgserlebnis aufkommt. Ausgenommen hiervon sind wohl die Story-Quests, die sich quer durch sämtliche Gebiete ziehen und mitten in der Nacht wirklich den letzten Nerv rauben können und es auch getan haben. Wenn da dann noch der Schlafmangel hinzu kommt, ist der Ausraster nicht vermeidbar.

FFXIV Behemoth

A Realm Reborn hat auf mich aber den Eindruck gemacht, dass es das umfangreichste und komplizierteste Levelsystem seit langem hat. Das Maximallevel von 50 zu erreichen dauert seine Zeit und um volles Potential zu erreichen, müssen noch einige andere Klasen hochgelevelt werden, was übrigens alles auf einem Charakter passiert! Es gibt nahezu keinen Grund einen zweiten Charakter anzufangen, was alles rund um das Spiel etwas kompliziert erscheinen lässt und Neulinge des MMO-Bereichs sicherlich verwirren kann.

Aber keine Sorge: Das Ganze klingt nun schlimmer als es ist. Ist man der Spieler, der nach ein klein wenig Anspruch sucht, wird man in Final Fantasy allemals fündig und kann sich auf eine Menge “Arbeit” freuen. Es ist einfach nicht in ein oder zwei Wochen alles erledigt. Und verdammt, das gefällt mir richtig gut! Ich gehe nun nach mehreren Wochen des extremen Spiels nach wie vor mit dem “Boah, noch so viel zu tun”-Gedanke in mein Gästezimmer und melde mich vom Game ab. Und ich will da noch nicht mal über den wirklichen Highend-Content sprechen. Berufe, Jobs, Klassen, Instanzen, FATEs, Events, Legionen, Mitspieler… ach es gibt einfach so viel zu tun, dass man glatt meinen könnte, man landet nach wenigen Tagen beim Arzt mit Burnout. In welchem Game hat man das heutzutage schon noch? Rumstehen in der Stadt, um seine Rüstung zu präsentieren oder blöd im Kreis auf seinem neuen Mount zu hüpfen, ist einfach nicht drin. Dafür gibt es viel zu viel zu tun.

FFXIV Odin

Während des Levelprozess und auch noch mit Level 50 erledigt man des Öfteren FATEs (sogenannte Full Active Time Events), die man bereits aus RIFT oder anderen Spielen kennt. Zufällig erscheinende Mini-Events mit ordentlichen Belohnungen. Über diese kann man ebenfalls prima sein Level-Up erreichen und ich persönlich hatte so viel Freude an den Events, dass ich von 35-50 gar nichts anderes mehr gemacht habe und die Story immer nachziehen musste. Das tolle an den Ereignissen ist: Für einige gibt es neben der Belohnung noch Erfolge und der Inhalt ist oft unterschiedlich. Sammeln, Bosse, Monster töten oder gar NPCs beschützen und eskortieren. Die Variation ist recht hoch und starke, wirklich starke und schwer zu besiegende Bosse sind dabei. Abgesehen von der Story ist es in FFXIV vollkommen egal, wie man seinen Charakter levelt. Ob man nun Dungeons farmt, FATEs macht, Freibriefe (Quests mit Schwierigkeitsgrad-Einstellung) erledigt, oder den gewohnten Aufgaben-Weg bestreitet. Es spielt überhaupt keine Rolle.

Dungeons und Story

Instanzen und auch Bosse sind in A Realm Reborn ein fester Bestandteil im Geschehen und sowohl in der Story als auch im Charakterfortschritt als wichtiger Part zu verstehen. Im Laufe der Geschichte wird man immer wieder in Instanzen geschickt oder darf gegen Primals wie Garuda, Ifrit oder Titan antreten. Verpackt wird das Ganze gekonnt in eine durchaus schöne und unterhaltsame Geschichte, zumindest an den wichtigen Knackpunkten. So spitzt sich ein Konflikt durchaus zu oder es kommen nette Wendungen vor.

FFXIV Ifrit

Dennoch muss man anmerken, dass die Laufbahn an den meisten Stellen nicht sonderlich interessant ist, lediglich rund um die größeren Aufgaben wird es teilweise spannend. Gewohnt ist man das durchaus von anderen MMOs, die es jedoch oft noch deutlich schlechter und langweiliger inszenieren. In den Dungeons selbst sieht man sich stets Herausforderungen gegenüber. Die Bossmechaniken werden zwar wiederholt und man erkennt durchaus einige Parallelen, doch sind die Dungeons recht fordernd und gerade die Tatsache, dass man oftmals mit zufälligen Spielern zusammen startet, macht es zu einer merkbar schwierigeren Aufgabe. Geht man hingegen mit einer Gilde in ein solches Dungeon, ist schon ein gravierender Unterschied zu spüren. In den Highlevel Instanzen ist das noch wesentlich markanter: Passt man nicht auf, stirbt man, was oft unweigerlich zum Wipe der gesamten Gruppe führt.

Fazit

Silber Award Final Fantasy XIVMich persönlich hat Final Fantasy XIV: A Realm Reborn gepackt. Eine solide (MMO-)Grafik, ein wirklich netter Soundtrack, ein umfangreiches Charakter- und Klassensystem und ganz viele Aufgaben. Wer Beschäftigung und Anspruch sucht, wird mit FFXIV rein gar nichts falsch machen können. Eine Woche spielen und alles gesehen zu haben ist hier einfach nicht drin. Der Stil muss natürlich gefallen, damit dem uneingeschränkten Spaß nichts mehr im Wege steht. Gelegenheitsspieler werden wohl nicht ganz so glücklich und werden wohl vom Umfang erschlagen werden.

Gespannt bin ich im Bezug zur Update-Politik seitens Square Enix und freue mich bereits auf neue Inhalte mit Patch 2.1 (wenn er denn da ist). Hoffen wir mal, dass Versprechen gehalten werden und man als Spieler, trotz Abogebühren, nicht vernachlässigt wird. Ein echter Minuspunkt, den man knallhart zu spüren ist, ist der Standort der Server, denn EU-Server stehen einfach mal in Japan und der Ping ist katastrophal. Das Ausweichen oder Unterbrechen mancher Mechaniken wird nahezu unmöglich und man ist dadurch einem ungewollten Hardmode sämtlicher Inhalte ausgesetzt.

Das Endgame habe ich in diesem Test bewusst nicht zum Thema gemacht, da ich gerne seperat auf dieses eingehen würde. Doch nach mehreren Wochen Spielzeit konnten wir noch nicht alles zu Gesicht bekommen und das ist im Vergleich mit der Konkurrenz ein wahres Wunderwerk!

Wertung

  • Umfangreicher Inhalt
  • Ausgeklügeltes Charakter-System
  • Große und zum Erkunden einladende Spielwelt
  • Einstellbare UI ohne Addons
  • Chocobos!

  • Kompliziert für Einsteiger
  • Fehlendes PvP (mit ersten Patch)
  • Server nicht in Europa (mehr dazu später)


Spielinhalt95

Grafik und Sound90

Preis80

Gesamtwertung
88/100


Über Michael
Artikel, Tests und die Kommunikation sind Aufgabenbereiche von Michael. Zudem ist sein Part das äußerliche Erscheinungsbild und die Vermarktung der Plattform.

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